Die Totentafeln aus der Kapelle zu Lübbrechtsen

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Der Fundort

 

Totenkronen (Totentafeln) - fachlich: Totenkronenkonsolen

Ein äußerst seltener Fund wurde im Spätsommer 2002 auf dem Dachboden der Kapelle zu

Lübbrechtsen gemacht.

In einer Ecke lagen dreizehn verzierte Bretter, auf denen noch Schriftzeichen zu erkennen waren.

Um den kultur- und lokalhistorischen Fund dieser seltenen Objekte zu erfahren, wandte sich der

Kirchenvorstand auf Empfehlung von Joachim Werner aus Rheden  an die Fachhochschule Hildesheim,

um einige dieser seltenen Totenkronenkonsolen untersuchen zu lassen.

Im Zuge dieser Maßnahme wurden an fünf Totenkronenkonsolen eine Konservierung durchgeführt.

Die Bearbeitung erfolgte an der HAWK Fachhochschule Hildesheim / Holzminden / Göttingen Fachbereich

Gestaltung, Studiengang Restaurierung, Studienrichtung Gemälde/Skulptur,

von Jessica Joeks, Kirsten Lehne und Anke Preußler.2.FS.

Die Identifikation der Totenkronenkonsolen ergab, dass es sich bei den Fundstücken um Eichenholz

und Nadelholz handelt,  das mit Leimfarbe bearbeitet wurde.

Vermutlich wurden sie durch einen damals ortsansässigen Tischler hergestellt.

Die Totenkronenkonsolen sind der 2. Hälfte des 18 Jahrhunderts / Anfang des 19. Jahrhundert

zuzuordnen.

Nur noch wenige dieser seltenen Stücke sind im Laufe der Jahrhunderte erhalten geblieben.

 

 

Was ist der kulturhistorische Hintergrund und wozu dienten die Totenkronenkonsolen?

Es ist schriftlich belegt, dass sowohl in Lübbrechtsen als auch in der Umgebung der Brauch,

Totenkronenkonsolen in der Kirche aufzuhängen, schon früh gepflegt wurde.

Nur für unverheiratete Personen, sowohl Jungen als auch Mädchen, wurde  beim Tod eine Totenkrone angefertigt.

Diese  wurde während der Beerdigung auf das Kopfende des Sarges gesetzt oder in die Hand des Toten gelegt.

Eine Totenfrau brachte die Krone nach der Beisetzung in die Kirche zurück, wo die Angehörigen sie auf den Altar stellten.

Dort verblieb sie so lange,  bis ein Tischler eine Totenkronenkonsole gefertigt hatte.

Der Stifter dieser Tafeln waren meist die Eltern oder die Geschwister, teils auch die Paten.

Die Symbolik rankt sich um die christliche Auffassung der Verehelichung.

Sie war für gläubige Christen für jeden Menschen notwendig. Das Ritual sollte die im Tode vollzogene

Hochzeit des Ledigen symbolisieren. Somit sah man die Totenkrone gleichsam als Brautkrone an.

Ebenso stand sie auch für die Jungfräulichkeit.

Belegt sind Totenkronen erst seit dem 16. Jahrhundert. Der Brauch war bei Katholiken und Protestanten

in ganz Europa verbreitet.

Man fertigte die Kronen prunkvoll mit Seidenbändern fein umstickt, Perlen und Gold- und Silberauflagen, aber

auch schlicht mit Strohblumen.

Gebettet wurde die Krone auf einen Kissen aus Stoff, auch diese konnten aus Seide oder einfachen Leinen bestehen.

Die Fertigung und die verwendeten Materialien richteten sich immer danach,  wie vermögend der Stifter war.

Zur Zeit der Aufklärung kamen sie aus der Mode, wurden aber im Biedermeier wieder aufgegriffen.

Im 17. Jahrhundert entstanden Verordnungen bezüglich des Aufwandes, der um diesen Brauch betrieben wurde und des in diesem Zusammenhang aufgewendeten "Luxus".

Um dieser "Verschwendung" entgegen zu wirken, stellte man Leihkronen aus Draht her, die für alle Beerdigungen genutzt wurden.

Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Brauch in den meisten Gebieten aufgegeben, die Totenkronenkonsolen verschwanden

aus den Kirchen.

Viele wurden im Laufe der Jahre zersägt oder anders entsorgt.

Dieses passierte in unserem Fall in Lübbrechtsen glücklicherweise nicht.

Die damals auf dem Kirchenboden abgestellten  Totenkronenkonsolen wurden von fachkundigen Blicken wiederentdeckt und

 stehen zum Auftakt der Feierlichkeiten zum 1150-jährigen Jubiläum der Öffentlichkeit zur Besichtigung in unserer kleinen

 Dorfkappelle zu Lübbrechtsen  bereit.

 

Danke

An

Dozent: Prof. Dr. Michael von der Goltz

Jessica Joeks, Kirsten Lehne, Anke Preußer (2.FS)

bei der HAWK Fachhochschule

Hildesheim / Holzminden / Göttingen

Fachbereich Gestaltung

Studiengang Restaurierung

Studienrichtung Gemälde / Skulptur

für Ihre hervorragende Leistung!

Impressum:

ev. Kirchengemeinde zu Lübbrechtsen

31093 Lübbrechtsen

als Eigentümer der Totentafeln.